Soziale Auswirkungen im Senegal

Senegalpic1.png26. März 2013

Der soziale Gewinn der Partnerorganisationen hat für Oikocredit seit jeher höchste Priorität. Doch wie lässt er sich bewerten? Auf jeden Fall nicht so einfach wie der finanzielle Ertrag.

Blanca Mendez von Oikocredit International hat die soziale Wirkung der Oikocredit-Arbeit selbst in Augenschein genommen: Sie organisierte die Oikocredit-Studienreise in den Senegal, wo sie mit Förderkreis-Mitgliedern und Oikocredit-Mitarbeitenden Partnerorganisationen besuchte.

Warum ist Oikocredit im Senegal aktiv?

„Der Senegal gehört zwar zu den stabileren Ländern in Westafrika. Dennoch ist er ein armes Land, in dem über die Hälfte der Menschen unter der Armutsgrenze leben. Obwohl 75 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten, mangelt es in den ländlichen Regionen vielerorts an Strom, Trinkwasser, landwirtschaftlichen Geräten und Bewässerung. Deshalb hat Oikocredit 2004 eine Geschäftsstelle im Senegal eröffnet. Sie finanziert landwirtschaftliche Betriebe und Mikrofinanzorganisationen, die Kredite und Sparkonten für arme Menschen anbieten. Bisher hat Oikocredit im Senegal fast 22 Millionen Euro investiert, um den Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu ermöglichen.“

Haben Sie konkrete sozialen Wirkungen beobachtet?

„Unsere Reise führte uns nach Ziguinchor. Das ist die größte Stadt der Casamance, einem der ärmsten Landesteile. Dort besuchten wir U-IMCEC, eine Mikrofinanzgenossenschaft mit acht Filialen in vier Orten. Die Beschäftigten berichteten von einer enormen Nachfrage nach Mikrofinanzierungen in der Region. Denn die meisten Menschen dort bekommen keine Bankkredite und haben keine Ersparnisse. Dann trafen wir Bineta Diallo. Sie ist Kundin bei U-IMCEC. Obwohl Bineta Diallo nicht lesen und schreiben kann, führt sie ein Stoff- und Textilgeschäft und beschäftigt vier Frauen. Das Geschäft konnte sie vor vier Jahren mit einem Kredit von U-IMCEC gründen. Seitdem hat sie es ausgebaut. Mit den Einnahmen konnte sie ihre Kinder zur Schule schicken. Ihrer ältesten Tochter konnte sie sogar ein Studium finanzieren. Das hat mir ganz deutlich gezeigt, welche sozialen Auswirkungen ein Kredit für einen Menschen und seine Familie haben kann.“

Wie trägt Oikocredit zur Entwicklung in der Region bei?

„In der ländlichen Casamance ist die Landwirtschaft die einzige Verdienstquelle für Menschen ohne besondere Ausbildung. Sambou Coly, unser Länderbeauftragter für den Senegal, hat beobachtet, dass dort viele Kleinbauernfamilien Mangos anbauen, doch dass drei Viertel der Ernte verderben, weil es keinen Markt für die Früchte gab. Also regte er die Gründung einer Produktionsgenossenschaft an, die heute Copex Sud heißt. Im nächsten Schritt sollten die Bauern und Bäuerinnen stärker von den Wertschöpfungsketten profitieren. Dazu half Sambou Coly zusammen mit der Oikocredit-Abteilung für Kapitalbeteiligungen der Genossenschaft beim Aufbau des Unternehmens „Les Saveurs du Sud“, das die Mangos für den Export verarbeitet. Die inzwischen 2.000 Mitglieder der Genossenschaft erhielten Beratung und technische Unterstützung von Oikocredit. Sie hoffen mit der Verarbeitung und Trocknung frischer Mangos ganzjährige Arbeitsplätze für 150 Menschen, größtenteils Frauen, zu schaffen. Oikocredit stellte bei der Zusammenarbeit mit der Copex Sud unter anderem die Bedingung, dass Frauen das Recht auf eigenen Landbesitz haben müssen. Das ist ein großer sozialer Fortschritt für die Region.

Unterwegs im Senegal –Blog - Berichte von der Studienreise

20 Oikocredit-Mitarbeitende und ehrenamtlich Engagierte aus 13 Ländern, darunter sieben Deutsche, Österreicher und Schweizer, waren mit Blanca Mendez unterwegs im Senegal. Über das, was sie dort erlebt haben und was sie bewegt hat, berichten drei der Reisenden auf dem Oikocredit- Blog „Auf Augenhöhe“ unter http://oikocreditde.wordpress.com 

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