Covid-19: Eine treibende Kraft für digitale finanzielle Inklusion

Covid-19: Eine treibende Kraft für digitale finanzielle Inklusion

Vincent1.JPGDonnerstag 24. September 2020

Ein Blogbeitrag von Vincent van Dugteren, Global Financial Inclusion Sector Specialist

Seit vielen Jahren zeichnet sich weltweit der Übergang vom stationären Bankgeschäft und bargeldbasierten Finanzdienstleistungen zu einer bargeldlosen und digitalen Umgebung ab. Wir haben miterlebt, wie Finanztechnologieinstitute (Fintech-Institute) in die Branche der finanziellen Inklusion (u.a. Mikrofinanz) eingetreten sind und Dienstleistungen wie Zahlungen, Sparen, Kredite, Versicherungen und Infrastruktur anbieten (siehe z.B. die Übersicht 2019 über 50 inklusive Fintechs von MIX). Um relevant zu bleiben, sind bestehende Finanzinstitutionen zunehmend bestrebt, ihre Operationen zu digitalisieren und digitale Finanzdienstleistungen einzuführen, um bestehende KundInnen auf neue Weise zu bedienen oder neue Segmente zu erschließen.

Wir bei Oikocredit investieren seit Jahrzehnten in die finanzielle Inklusion (über 350 unserer Partner in diesem Sektor sind in unserer Partnerdatenbank aufgeführt), und in den letzten Jahren haben wir auch Darlehen und Kapitalbeteiligungen an technologieorientierte Finanzdienstleister vergeben.

Die Hintergründe des Strebens nach digitaler Finanzierung

Bislang haben eine Reihe von Schlüsseltrends die verstärkte Einführung digitaler Finanzdienstleistungen vorangetrieben:

  • Zunehmende Verfügbarkeit von Mobilgeräten. Im Juli 2020 meldete die GSMA, der globale Verband der Mobilfunknetzbetreiber, 5,1 Milliarden MobilfunkteilnehmerInnen.
  • Zunehmende Internetanbindung auf der ganzen Welt. Insbesondere Afrika hinkt jedoch immer noch hinterher – hier haben etwa 40% der Bevölkerung Zugang zum Internet, verglichen mit 60% weltweit. Dies hinderte das kenianische Unternehmen M-Pesa nicht daran, sich zu einem der erfolgreichsten mobilen Zahlungssysteme der Welt zu entwickeln (wie in dieser Fallstudie der Harvard Business School erläutert wird), das auf einfachen „Feature-Phones“ läuft, die keinen Internetzugang benötigen.
  • Immer mehr digitale Standardlösungen für Finanzinstitutionen, wie Software und Dienstleistungen, werden in der Regel von einem Drittanbieter entwickelt und geliefert. Die kohärente Umsetzung dieser Lösungen stellt jedoch eine große Herausforderung dar und erfordert nicht nur den Erwerb und die Implementierung von Technologie, sondern auch den organisatorischen Aufbau und die Flexibilität, um mit Veränderungen umgehen zu können.

Oikocredit-Umfrage: Digitale Transformation hat für die Partnerorganisationen oberste Priorität

Als wir Ende 2019 unsere Partner im Bereich finanzielle Inklusion nach ihren Plänen für die Digitalisierung befragten, bewerteten 96% der Befragten die digitale Transformation als eine der wichtigsten Prioritäten. Als zentrale Chancen wurde Folgendes genannt: Effizienzsteigerung, Erhöhung der Reichweite oder Expansion in neue Märkte und Verbesserung des Kundenerlebnisses. Auf der anderen Seite sehen viele Finanzinstitutionen mehrere Herausforderungen für einen erfolgreichen digitalen Übergang, darunter Schwierigkeiten bei der Einrichtung der digitalen Infrastruktur und der Sicherung eines ausreichenden Budgets dafür; die Schaffung einer geeigneten Organisationskultur für den Wandel; Fragen, wie KundInnen über die Nutzung digitaler Finanzdienstleistungen aufgeklärt und wie hochwertige digitale Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden können.

Covid-19 beschleunigt den Wandel

Und nun erschüttert die Covid-19-Pandemie das Umfeld der finanziellen Inklusion. Die European Microfinance Platform hat kürzlich ihre Umfrage zum Thema Covid-19 unter dem Titel „Financial Inclusion Compass“ veröffentlicht. Bei den vielen Herausforderungen, vor denen KundInnen und Finanzdienstleister stehen, ist es klar, dass eine Ausweitung der digitalen Finanzdienstleistungen Teil der Lösung sein sollte. In dem Maße, wie digitale Kommunikationsmittel aufgrund der sozialen Distanzierung immer beliebter geworden sind, haben auch digitale Zahlungen zugenommen. Zu Beginn der Coronavirus-Krise haben die Regierungen von Kenia und Ghana eine Senkung der Gebühren für mobile Geldüberweisungen gefördert, damit mehr Menschen vom Bargeld wegkommen.

Künftig werden digitale Kreditanträge, Unterschriften, Auszahlungen und Rückzahlungen (d.h. bargeldloses und papierloses Bezahlen) die Notwendigkeit für MikrofinanzkundInnen verringern, sich bei Gruppentreffen, in einer Filiale oder bei einem Mitarbeiter bzw. einer Mitarbeiterin ihres Finanzdienstleisters physisch zu präsentieren. Manche Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) werden noch nicht in der Lage sein, dies anzubieten, noch werden alle KundInnen über ein digitales Konto verfügen oder wissen, wie es zu führen ist. Finanzinstitutionen, die bereits solide Pläne für die Digitalisierung hatten, werden jetzt einen Anreiz haben, diese Pläne zu beschleunigen, um sicherzustellen, dass sie mit den KundInnen in Kontakt bleiben und die Dienstleistungen am Laufen halten können, auch wenn physische Kundentreffen nicht mehr durchführbar sind.

Erfahren Sie mehr direkt von unseren Partnern

Um sich ein besseres Bild davon zu machen, wie unsere Partner im Bereich der finanziellen Inklusion in Zeiten von Covid-19 digitale Lösungen eingesetzt haben, führten wir kürzlich Videointerviews mit den CEOs einiger Partner, deren Höhepunkte in den folgenden Videos zu sehen sind:

Optima finanziert kleine und mittlere Unternehmen in El Salvador.

ProMujer konzentriert sich auf von Frauen geführte Unternehmen in Argentinien.

Casa do Micro Crédito, eine Mikrofinanzinstitution in Brasilien.

Banco da Familia, ebenfalls eine MFI in Brasilien.

Um unsere Partner in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen, hat Oikocredit mehrere Initiativen ins Leben gerufen, zum Beispiel den Coronavirus-Solidaritätsfonds sowie Ressourcen, die den Partnern beim Aufbau von Resilienz helfen sollen.

Darüber hinaus prüfen wir Möglichkeiten, Partner im Bereich der finanziellen Inklusion bei ihren Bemühungen um Digitalisierung zu unterstützen, und wir begrüßen Ideen und Vorschläge unserer Partner zum Thema digitale Transformation.

« Zurück