In erneuerbare Energien investieren

In erneuerbare Energien investieren

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David ten Kroode

10. Dezember 2014

2013 hat Oikocredit verbindliche Umweltschutzkriterien in ihre Investitionsleitlinien aufgenommen. Seit Mitte 2014 arbeitet David ten Kroode als neuer Experte für die Finanzierung erneuerbarer Energien bei Oikocredit International.

Er wird gemeinsam mit den regionalen Geschäftsstellen das Portfolio für erneuerbare Energien ausbauen. Dazu wurde eigens eine Strategie festgelegt; einige Transaktionen sind bereits unter Dach und Fach. Wir sprachen mit David ten Kroode darüber, wie und wo er die Finanzierung erneuerbarer Energien ausbauen wird und warum sie gut zu Oikocredit passen.

Warum sind erneuerbare Energien eine wichtige Branche für das Oikocredit-Portfolio?

„Etwa 80 Prozent des aktuellen Portfolios sind in Mikrofinanzinstitutionen investiert. Durch eine Diversifizierung unserer Projektfinanzierung zum Beispiel durch Investitionen in erneuerbare Energien können wir unsere Risiken verringern und gleichzeitig unsere sozialen, ökologischen und finanziellen Zielen erfüllen.“

Welche Wachstumsziele hat Oikocredit für dieses Portfolio?

„Bis Ende 2016 möchten wir Projekte im Umfang von über 90 Millionen Euro bewilligen, von denen 50 Millionen ausgezahlt sein sollten. Die tatsächliche Auszahlung des bewilligten Kapitals kann nämlich eine echte Herausforderung sein. Anders als in der Mikrofinanz vergeht bei Investitionen in erneuerbare Energien viel mehr Zeit bis zur Auszahlung, weil der Bau einer Solar-, Wind- oder Wasserkraftanlage Jahre dauern kann.“

Wie werden Sie Projekte ausfindig machen und worauf achten Sie besonders?

„Wichtigster Ausgangspunkt sind unsere Regional- und Länderbüros in 35 Ländern. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können die Entwicklungen bei den erneuerbaren Energien vor Ort am besten verfolgen und Finanzierungsmöglichkeiten sondieren. Außerdem gibt es viele andere Möglichkeiten, geeignete Projekte ausfindig zu machen, zum Beispiel Konferenzen, auf denen wir Partnerschaften mit gleichgesinnten Investoren knüpfen können.“

Werden Sie den Schwerpunkt zunächst auf eine bestimmte Region legen?

„Im Moment liegt der Schwerpunkt auf Lateinamerika. Dort ist einerseits der Markt für Wind- und Sonnenenergie und kleine Wasserkraftanlagen sehr aktiv. Andererseits verfügt Oikocredit in der Region über Kapazitäten, um entsprechende Projektfinanzierungsmöglichkeiten zu finden und zu entwickeln. In Lateinamerika haben wir auch unsere erste Transaktion abgeschlossen: eine Wasserkraftanlage in Peru. Als nächstes werden wir uns mit Solar- und Biogasanlagen in- und außerhalb der Stromnetze in anderen Regionen beschäftigen.“

Hat ein bestimmter Einzelbereich, etwa die Sonnenenergie, Vorrang? Wenn ja, warum?

„In der Regel werden wir uns an bewährte Technologien halten. Deshalb wird unser Portfolio höchstwahrscheinlich aus Sonnen-, Wind-, Wasser-, und einigen Biogas-Projekten bestehen. Neuere Technologien – wie Treibstoff aus Algen oder Gezeitenkraftwerke – sind zwar vielversprechend, werden aber vorerst nicht in unserem Portfolio vertreten sein. Mein persönlicher Favorit ist die Sonnenergie, insbesondere Photovoltaik-Anlagen. Bei der Sonnenenergie fallen einige der ökologischen oder sozialen Bedenken weg, die bei anderen Technologien bestehen. Windturbinen sind z. B. manchmal sehr groß und können das Vogelzugverhalten stören, und Wasserkraftanlagen in Flüssen können flussabwärts die Wasserversorgung für die Landwirtschaft beeinträchtigen. Dazu kommt, dass die Sonnenenergie sehr sicher ist, wenig Wartung benötigt und in Anlagen jeder Größe gewonnen werden kann – von einer Solarlampe für 5 Dollar bis zu sehr großen Anlagen für viele Millionen Dollar.“

Oikocredit ist eine Genossenschaft. Sind die Mitgliedsorganisationen dafür, dass Oikocredit bei erneuerbaren Energien aktiv wird?

„Das wichtigste Motiv für erneuerbare Energien ist die Bekämpfung des Klimawandels durch Verringerung schädlicher Emissionen aus der Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen. Dazu kommen der soziale Nutzen durch neue Arbeitsplätze, eine bessere Elektrizitäts-Infrastruktur für Geringverdienende und ein besserer Zugang zur Stromversorgung. Diese sozialen und ökologischen Auswirkungen machen die erneuerbaren Energien zu einem Bereich, der unserem Auftrag sowie unserem Ziel eines „dreifachen Gewinns“ (sozial, ökologisch und finanziell) genau entspricht.“

 

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