Kaffee und Versöhnung in Ruanda

Kaffee und Versöhnung in Ruanda

coffee-rwanda-02-470pixels.png19. November 2015

von Ging Ledesma

Jean Bosco Ngabonziza ist im Bezirk Rusizi im Südwesten Ruandas ein bekannter und geachteter Mann. „Nurse Bosco“ wird der Krankenpfleger liebevoll genannt. Nach dem Völkermord 1994 lebten in seinem Umfeld viele Witwen und Waisen in extremer Armut. Ein Besuch in Indien brachte ihn auf die Idee, die örtlichen Kaffeebäuerinnen und -bauern in einer Genossenschaft zu organisieren. 2006 richtete er die erste Kaffee-Waschanlage ein.

Nurse Bosco gründete auch das Kaffee-Exportunternehmen Rusizi Specialty Coffee (RSC). Es ist nach einem genossenschaftlichen Partnerschaftsmodell organisiert und verarbeitet heute über 200 Tonnen Kaffeebohnen pro Jahr. Der Bezirk Rusizi ist mit seinem gemäßigten Klima ideal für den Kaffeeanbau, von dem fast ein Viertel der örtlichen Haushalte leben. Heute verarbeitete RSC über 200 Tonnen Kaffeebohnen pro Jahr.

Anfang des Jahres besuchte ich die Oikocredit-Geschäftsstelle in Ruanda. Ich reiste nach Karongi und Rutsiro, um Nurse Bosco kennenzulernen und unseren Partner RSC zu besuchen. Denn das ist ein in vieler Hinsicht besonderer Betrieb.

Laut Weltbank gehört Ruanda zu den zehn Ländern mit dem größten Wirtschaftswachstum weltweit. Das Bruttoinlandsprodukt steigt seit 2000 durchschnittlich um mehr als sieben Prozent pro Jahr. Doch 44,9 Prozent der Bevölkerung leben immer noch unter der Armutsgrenze.

Unternehmen wie RSC verhelfen auch kleinbäuerlichen Betrieben zu einem besseren Einkommen. Die meisten Mitglieder der Kaffeebauern-Genossenschaften, die die Betriebe von RSC beliefern, besitzen nur jeweils etwa einen halben Hektar Land, und 95 Prozent der Aushilfskräfte bei RSC sind Frauen.



RSC ist für seine engen Beziehungen zur lokalen Gemeinschaft bekannt. Das Unternehmen hat für die Bauernfamilien unter anderem eine Kinderkrippe eingerichtet, vergibt Stipendien an Mädchen aus den ärmsten Familien und verteilt Kühe an benachteiligte Haushalte.

Aber noch etwas anderes macht die Besonderheit von RSC aus. Die Menschen, die auf den steilen grünen Hängen und in den kühlen dunklen Schuppen die Kaffeebohnen verarbeiten, kommen aus beiden Volksgruppen, die sich in dem verheerenden Bürgerkrieg bekämpften. RSC bringt ehemalige Täter und Opfer zusammen und trägt dadurch zur Versöhnung der Menschen in Ruanda bei, zu einem langen Prozess, der entscheidend für Frieden und Sicherheit des Landes ist.

Wenn ich unsere Partnerorganisationen besuche, bin ich immer wieder beeindruckt von den positiven Auswirkungen, die die von Oikocredit unterstützten Unternehmen auf ihr soziales Umfeld haben. RSC ist ein gutes Beispiel für eine Partnerorganisation, die tiefgreifende positive Veränderungen im Leben der Menschen bewirkt. Menschen beim Weg aus der Armut zu unterstützen, wird immer ein vorrangiges Ziel von Oikocredit sein. Allerdings bedarf es dazu mehr als nur Finanzierungen. Unsere Partner brauchen auch Schulungen und technische Unterstützung.

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