„Mehr nachhaltige Agrarunternehmen finanzieren“

„Mehr nachhaltige Agrarunternehmen finanzieren“

1632-COAG-BR-23.jpg14. Oktober 2015

Rund drei Viertel der Menschen, die mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag auskommen müssen, leben auf dem Land und verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich in der Landwirtschaft. In vielen Regionen sind Böden und natürliche Ressourcen besonders beansprucht – nicht zuletzt aufgrund von Bevölkerungsdruck und Klimawandel. 

Es besteht also ein großer Bedarf an nachhaltigen Investitionen in die Landwirtschaft. Aus diesem Grund hat Oikocredit im Januar 2014 ein eigenes Agrarreferat eingerichtet. Angesiedelt ist es in der peruanischen Hauptstadt Lima. Der Leiter, Frank Rubio, ist auch Oikocredit-Regionaldirektor für das nördliche Südamerika.

Gemeinsam mit zwei Agrarfachleuten in Lima und Abidjan (Côte d'Ivoire) sowie den Oikocredit-Regionalstellen arbeitet Frank Rubio daran, das Agrarportfolio auszubauen und zu verbessern. Wir haben mit ihm über seine Arbeit und über die Bedeutung von Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft gesprochen.

Das Agrarreferat existiert seit fast zwei Jahren. Was war bisher sein größter Erfolg?
„Einer der größten Erfolge war sicher, dass wir die Landwirtschaft stärker in den Fokus von Oikocredit rücken konnten. Sie ist einer der wichtigsten Sektoren für künftige Generationen und für die Nachhaltigkeit. Wir hatten bereits viele Partnerorganisationen im Agrarbereich, bevor es das Referat gab. Doch es gab noch keine gezielte Strategie, keine bewährten Verfahren und wenig Informationsaustausch. Genau auf diese Bereiche konzentrieren wir uns nun, um unsere Investitionen in diesem Sektor auszuweiten.“

Wie hilft das Agrarreferat den Oikocredit-Länderbüros beim Aufbau von Landwirtschafts-Portfolios?
„Wenn eine Geschäftsstelle Investitionen in die Landwirtschaft priorisieren will, können wir ihr helfen, ihr Agrarportfolio zu erweitern und weiterzuentwickeln. So war zum Beispiel meine peruanische Kollegin Carina Torres letztes Jahr mehrere Monate in Ruanda, wo wir bislang keine Partner im Agrarsektor hatten. Carina hat dem ruandischen Oikocredit-Team geholfen, Finanzierungen für zwei neue Kaffee-Partner umzusetzen. Zudem haben wir Schulungen zur Finanzierung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in Ruanda durchgeführt, das für uns 2014 ein wichtiges Schwerpunktland war.“

Investiert Oikocredit vorrangig in Betriebe, die fair bzw. ökologisch produzieren?
„Ja. Wir unterstützen den Fairen Handel und die Bio-Landwirtschaft, wo wir können. In einigen Ländern, etwa in Peru, machen Bio-Betriebe über 90 Prozent unseres landwirtschaftlichen Portfolios aus. Der Markt für Bio-Erzeugnisse wächst. Wir gehen davon aus, dass auch unsere Investitionen am stärksten im Bio- und Fairhandels-Bereich wachsen werden, vor allem in Lateinamerika.

Wie werden durch Investitionen in Landwirtschaftsunternehmen Menschen mit niedrigem Einkommen gestärkt?
„Kleinbäuerliche Betriebe haben in der Regel keinen Zugang zu Finanzierungen. Durch Darlehen von Oikocredit erhalten sie die Chance, Strategien umzusetzen, mit denen sie bessere Preise für ihre Produkte erzielen. Mit unseren Krediten zur Handelsfinanzierung können Kleinbauerngenossenschaften zum Beispiel die Produkte ihrer Mitglieder in großen Mengen aufkaufen und lagern, bis die Marktpreise gestiegen sind. Die Mehreinnahmen werden dann an die Mitglieder weitergegeben, vor allem wenn sie Fairhandelsmärkte beliefern. Mit unseren längerfristigen Investitionskrediten werden Maschinen und Ausrüstung angeschafft, die den kleinbäuerlichen Betrieben helfen, einen Mehrwert und auch bessere Preise zu erzielen.“

Wirkt sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft aus? Wenn ja, was können wir diesbezüglich tun?
„Der Klimawandel ist in Zukunft eine der größten Gefahren für die Landwirtschaft. Das Risiko für Dürren, Überschwemmungen und steigende Temperaturen wächst. All diese Faktoren können sich negativ auf die Produktion auswirken. Wir haben die Folgen bereits in Lateinamerika beim Kaffee gesehen. Dort hat sich eine Pilzerkrankung der Kaffeepflanzen, der sogenannte Kaffeerost, aufgrund des Klimawandels stärker verbreitet und in den Jahren 2012/2013 über 30 Prozent der Ernte vernichtet. Oikocredit hat daraufhin eine spezielle Kreditlinie für kleinbäuerliche Betriebe aufgelegt, die ihnen eine Neuanpflanzung mit resistenteren Kaffeepflanzen ermöglicht hat.


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