Hutmanufaktur in Mexiko mit sozialer Wirkung

Hutmanufaktur in Mexiko mit sozialer Wirkung

concreces 2.jpg18. Juli 2016

Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca arbeitet etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft und hat nur begrenzt Zugang zu Banken und Finanzinstitutionen. Für viele Kleinunternehmen ist es schwer, Finanzierungen für ihre Betriebe zu bekommen. Hier spielt die Oikocredit-Partnerorganisation Unión de Crédito Concreces SA de CV (Concreces) eine wichtige Rolle.

Concreces ist eine mexikanische Kreditgenossenschaft, die Kleinst- und Kleinunternehmen in Oaxaca und weiteren Bundesstaaten unterstützt. So vergibt Concreces unter anderem Kredite an Unternehmen, die eine Anschubfinanzierung benötigen. Ein Beispiel ist die inhabergeführte Hutmanufaktur Sombreros Sánchez“, ein Familienbetrieb in Oaxaca mit langer Tradition. Der passionierte Hutmacher Moisés Genaro Sánchez kauft Hüte von Produzenten zu fairen Preisen, verarbeitet sie in seiner Fabrik weiter und vertreibt sie anschließend im In- und Ausland.

Viele der insgesamt über 1.000 Zuliefererinnen und Zulieferer von Sombreros Sánchez arbeiten primär in der Landwirtschaft und verdienen sich mit dem Flechten der Hüte ein wichtiges Nebeneinkommen. Die meisten flechten fünf bis sechs Strohhüte pro Tag. Für die Hüte werden 14 verschiedene Stroharten genutzt.

Hüte als Währung

Sanchez hat ein geniales und preisgünstiges Logistik-System: Wer 20 bis 30 Hüte fertig gestellt hat, kann sie an den Dorfladen verkaufen oder gegen Lebensmittel eintauschen. Die Ladenbesitzer nutzen die Hüte entweder als Währung zur Bezahlung ihrer Zulieferer oder verkaufen sie weiter. Die Zulieferer liefern die Hüte in Sánchez' Fabrik in Oaxaca ab, wo sie von über 20 Beschäftigten weiterbearbeitet werden.

Die Hüte werden zunächst mit einer speziellen Maschine in Form gebracht. Dann wird das überstehende Stroh abgeschnitten. Zum Schluss erhalten sie mit Schnüren oder Bändern ihr endgültiges Aussehen. Im vergangenen Jahr wurden in der Fabrik etwa 20.000 Bänder gedruckt und auf Hüte für Guelaguetza genäht, das wichtigste Fest des Jahres in Oacaxa. Moisés Sánchez und sein Team verkaufen die Hüte für 0,80 US-Dollar pro Stück. Die Hutflechterinnen und -flechter erhalten rund 0,40 US-Dollar pro Hut. Sombreros Sánchez verdient nicht an großen Gewinnmargen, sondern durch die Menge: Verkauft werden 7.000 bis 8.000 Hüte pro Monat.

Moisés Sánchez' Großvater hat das Unternehmen in den 1940er Jahren gegründet. Er begann mit einer Nähmaschine und einer Fertigungsmaschine, die drei Modelle formen konnte. In den 1960er Jahren erweiterte dann Moisés Sánchez' Vater die Produktion und schickte Vertreter mit Wagenladungen voller Hüte in andere Landesteile, um sie zu verkaufen. Bis in die 1990er Jahre funktionierte das gut. Als 1994 in Mexiko die Peso-Krise begann, brach der Hutverkauf ein.

Unterstützung in der Krise

Ohne Concreces hätte Sombreros Sánchez ganz von vorn anfangen müssen. Moisés Sánchez: „Den Bankrott hätten wir vielleicht vermeiden können, aber wir wären wieder ein ganz kleines Unternehmen geworden.“ Mit Betriebskapital von Concreces konnte Sombreros Sánchez sich in der schwierigen Zeit behaupten, indem die Ware im Voraus bezahlt werden konnte, um die Produktion auf einem kontinuierlichen Niveau zu halten. Auch wurden Verkäufe ins Ausland möglich, wie etwa nach Frankreich, Argentinien, Costa Rica, Honduras, El Salvador, Kanada und die USA. Sombreros Sánchez ist inzwischen der zweitgrößte Hersteller von Strohhüten in Mexiko. Durch den Verkaufspreis von 0,80 US-Dollar pro Hut kann das Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, gleichzeitig aber den Hutflechterinnen und -flechtern einen fairen Preis zahlen.

Mehr über die Oikocredit-Partnerorganisation Concreces

Interview mit dem Oikocredit-Länderbeauftragen für Mexiko

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