Die sozialen Ziele nicht aus den Augen verlieren

Die sozialen Ziele nicht aus den Augen verlieren

Ugandapic2.png26. März 2013

Seit 2011 unterstützt Oikocredit ihre Mikrofinanzpartner dabei, ihre alltägliche Praxis noch stärker auf ihre Kundschaft auszurichten. Dieses „Mentoring-Programm für soziales Wirkungsmanagement“ zeigt erste Ergebnisse.

Februar 2011, Nairobi, Kenia. Mitarbeitende von fünf Mikrofinanzinstitutionen und sechs Beraterinnen und Berater sind zu einem Workshop zusammengekommen. Eingeladen haben Ging Ledesma und Anton Simanowitz von Oikocredit International sowie der Oikocredit-Beauftragte für soziales Wirkungsmanagement in Ostafrika, Elikanah Nganga. Die drei haben das Mentoring-Programm für soziales Wirkungsmanagement entwickelt, mit dem die Kundenorientierung der Mikrofinanzorganisationen verstärkt werden soll. Außerdem sollen erfahrene externe Fachleute als Mentorinnen und Mentoren geschult werden, um das Mentoring-Programm weiterzutragen.

Mikrofinanzinstitutionen müssen bei ihrer Arbeit die Balance wahren zwischen sozialer Ausrichtung und Kundenorientierung einerseits und wirtschaftlichem Handeln andererseits. Soziales Wirkungsmanagement kann ihnen dabei helfen, soziale Ziele wirksamer einzubinden und besser auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft einzugehen. „Wir unterstützen sie dabei, die Kundenorientierung systematisch in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren“, erläutert Ging Ledesma, Direktorin für soziales Wirkungsmanagement und Finanzanalyse bei Oikocredit International. „Das stärkt sowohl die Kundinnen und Kunden als auch unsere Mikrofinanzpartner.“

Das Mentoring-Programm hat viele positive Veränderungen bewirkt. Zum Beispiel beim ugandischen Oikocredit-Partner UGAFODE. Dort hatte es zuvor nicht sehr rosig ausgesehen: Das Kreditportfolio schrumpfte, der Anteil ausfallgefährdeter Kredite war hoch, die Rentabilität sank. Beim Workshop, so Anton Simanowitz, Experte für soziales Wirkungsmanagement bei Oikocredit International, habe die Mikrofinanzinstitution die Ursachen der Misere erkannt: Sie hatte ihre soziale Ausrichtung aus den Augen verloren, ebenso wie ihre ursprünglichen Zielgruppen, arme erwerbstätige Frauen, die ländliche Bevölkerung und Kreditgruppen. „Wir konnten UGAFODE unterstützen, sich wieder auf ihre sozialen Ziele zu konzentrieren und diese in die Praxis umzusetzen.“

Mehr Kundennähe!

Doch wie hat die Institution das geschafft? Durch Analyse der Kundenbedürfnisse und viele kleine Schritte. Um mehr Kunden auf dem Land zu erreichen, wurden Filialen in ländlichen Regionen eingerichtet. Der Hauptsitz wurde aus dem noblen Bankenviertel der Hauptstadt Kampala verlegt, damit er für die Kundschaft leichter erreichbar ist. Im nächsten Schritt wurden Finanzierungskriterien für Kreditgruppen revidiert. Daraufhin stieg der Anteil der Gruppenkredite von 34 auf 69 Prozent der Kundschaft. Solche Gruppen, die gemeinsam Kredite aufnehmen, haben einen besonders hohen Anteil ärmerer Menschen.

Zudem erkannte UGAFODE, dass sie ihre Kundinnen und Kunden bei unerwarteten Schwierigkeiten unterstützen muss. Daher wurden ein Versicherungsschutz ins Angebot aufgenommen, freiwillige Sparpläne eingeführt und die Null-Toleranz-Politik bei Rückzahlungsausfällen geändert. All das führte dazu, dass über 13.000 neue Sparkonten eingerichtet und mehr Versicherungen abgeschlossen wurden.

Die Kreditsachbearbeiter wurden geschult, ausbleibende Zahlungen umzuschulden statt sofort einzutreiben. Zudem trennte man sich von der externen Inkassoagentur. Deren Aufgaben regelt man nun selbst und kundenfreundlicher. Außerdem wurden die Rückzahlungen von wöchentlich auf monatlich umgestellt – denn auch der Großteil der ländlichen Kundschaft wird monatlich entlohnt. Der neue Kundenservice hat sich bereits in vielfacher Hinsicht gelohnt.

UGAFODE hat inzwischen das soziale Wirkungsmanagement in ihren Fünfjahresplan integriert. Das hat sie sozial und finanziell gestärkt, bestätigt Elikanah Nganga: „Der Anteil ausfallgefährdeter Kredite ist von 12 auf 3 Prozent gesunken, die Kundenzahl von 9.000 auf 24.000 gestiegen und die Organisation hat sich wieder auf die ursprünglichen Zielgruppen, Frauen und Menschen auf dem Land, konzentriert.“

Ähnlich positive Meldungen kommen von anderen Teilnehmern des Programms: Sie haben die Beurteilungsverfahren für Kredite und die Anforderungen für Sicherheiten verbessert und regeln Kredite flexibler. 2013 wird Oikocredit das Mentoring-Programm auf Paraguay, Peru, Ghana und den Senegal ausweiten. 

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